24. Juni 2021

Eine Zeitreise, die niemanden kalt lässt

Klaus Tschira Stiftung fördert „Eiszeit-Safari“ in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen

Mannheim. Die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim laden zu einer aufregenden Zeitreise ein. Die von der Klaus Tschira Stiftung maßgeblich geförderte Sonderausstellung „Eiszeit-Safari“ katapultiert Kinder und Erwachsene um mehr als 30.000 Jahre in die Vergangenheit zurück.

So sieht es aus, das Plakat zur Eiszeit-Safari. © rem gGmbH Stiftungsmuseen, Foto: Marc Steinmetz

Originalgetreu rekonstruierte Mammuts, Bisons und Höhlenlöwen, aber auch vollständige Skelette sowie wichtige Knochenfunde aus der Region erzählen die Geschichte der letzten Eiszeit auf anschauliche Weise. Neueste Forschungsergebnisse bereichern die Schau um bedeutende Erkenntnisse zu einem der interessantesten Abschnitte der jüngeren Erdgeschichte.

Die „Eiszeit-Safari“ ist noch bis zum 13. Februar 2022 zu sehen (Näheres unter www.eiszeitsafari.de). Derzeit klappt der Besuch sogar ohne Test und Voranmeldung. Schulklassen haben nach Voranmeldung kostenfreien Zugang über die gesamte Dauer der Ausstellung (inklusive Führung).

Wilfried Rosendahl, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen, freut sich, dass die Ausstellung, die bereits 2016 in Koblenz Premiere hatte, jetzt endlich in Mannheim zu sehen ist. „Größer denn je und optisch sowie wissenschaftlich auf den allerneuesten Stand gebracht“, so Rosendahl.

Ausgeweitet wurde auch der Bogen vom Klimawandel der Eiszeit zur von Menschen gemachten Klimakrise, die aus der Warmzeit heutiger Tage eine Heißzeit der Zukunft zu machen droht. An der letzten Station der Ausstellung ist zu erfahren, was da gerade passiert und was zu tun ist, um das Schlimmste noch abzuwenden. Damit unsere Erde so wunderbar bleiben kann, wie sie ist und war.

Wie sah es in Deutschland vor 40.000 bis 15.000 Jahren aus? Welche Tiere lebten in dieser Zeit? Und wie erging es damals den Menschen? Welche Geschichte erzählen Originalfunde? Und wie kommt die Wissenschaft zu ihren Ergebnissen?

Diese und andere Fragen beantwortet die „Eiszeit-Safari“ unter anderem in ihrem großen Mitmachbereich. Dort werden Besucherinnen und Besucher selbst zu Forschenden und finden Antworten. Wie kriegen wir heraus, ob der Knochen von einem Löwen oder einem Tiger ist? Wie wissen wir, aus welcher Zeit er stammt? Und woraus schließen wir, was die Tiere gegessen haben?

Ein Blick in die Ausstellung: Mammut mit Baby-Mammut. © rem, Foto: Rebecca Kind

Die Schau ist für alle Alters- und Besuchergruppen geeignet und erzählt Wissenswertes und Spannendes über die Welt der letzten Eiszeit aus einer überraschenden Perspektive: Die Besucherinnen und Besucher schlüpfen in die Rolle von Zeitreisenden, die sich wie auf einer Safari auf faszinierende Begegnungen mit Tieren freuen dürfen.

Die Ausstellung räumt auch mit einigen Vorurteilen auf. So war keineswegs alles mit Schnee und Eis bedeckt. Ein virtueller Eiszeit-Flug über Deutschland zeigt, dass insbesondere der Oberrheingraben eine Art eiszeitliche Serengeti mit fruchtbarem Grasland, viel blauem Himmel, bis zu 25 Grad Celsius sowie einer unglaublich vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt war.

Auge in Auge stehen die Besucher imposanten Tiergruppen gegenüber: Elefanten, Nashörner, Büffel oder Löwen – Tiere, die wir heute eher in Afrika verorten. Vor mehr als 30.000 Jahren lebten sie auch in Mitteleuropa. Höhlenbären, Elche, Mammuts, Wollhaarnashörner, Steppenbisons und Höhlenlöwen streiften in großen Herden durch die Landschaft. Versteinerte Knochenfunde zeugen von ihrer Existenz. Die eindrucksvollen Rekonstruktionen der Eiszeit-Ausstellung basieren auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Scouts Urs und Lena führen durch die Ausstellung © rem, Foto: Rebecca Kind

In der „Eiszeit-Safari“ werden erstmals Originalfunde aus der Sammlung Reis gezeigt, die mit fast 20.000 Objekten zu einer der bedeutendsten paläontologischen Privatsammlungen dieser Art zählt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Reiss-Engelhorn-Museen, des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie sowie der Universität Potsdam haben im Rahmen des von der Klaus Tschira Stiftung geförderten Projekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben“ seit Herbst 2016 ausgewählte Funde mit verschiedenen Methoden analysierte und erstaunliche Erkenntnisse ans Tageslicht gebracht.

Info:

Zur Ausstellung findet ab Mitte Juli 2021 ein umfangreiches Begleitprogramm statt. Außerdem gibt es zwei Begleitpublikationen, eine kostenlose App, zahlreiche digitale Angebote und eine Faltkarte mit Ausflugstipps in der Region, mehr unter www.eiszeit-safari.de. Die Ausstellung im Museum Weltkulturen D5 ist bis zum 13. Februar 2022 dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

 

Zum Hintergrund:

Über den Ausstellungsort Mannheim

Die oberen Sand- und Kiesablagerungen im Untergrund von Mannheim sowie des Oberrheingrabens sind eines der wichtigsten kontinentalen Klimaarchive Europas für das Eiszeitalter. Mit den vielfältigen Funden daraus zählt Mannheim mit den Reiss-Engelhorn-Museen zu den zehn bedeutendsten Museumsstandorten für solche Eiszeitarchive in ganz Europa. Es war der gebürtige Mannheimer Karl Friedrich Schimper, der 1837 den Begriff der „Eiszeit“ prägte und später auch mit einer Veröffentlichung die Paläoklimaforschung begründete. Dies sind gute Gründe, um in Mannheim das Thema „Eiszeit, Klima und Wandel“ in all seinen Facetten generationenübergreifend zu präsentieren.

Über die Klaus Tschira Stiftung

Die Klaus Tschira Stiftung (KTS) fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Sie wurde 1995 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940-2015) mit privaten Mitteln ins Leben gerufen. Ihre drei Förderschwerpunkte sind: Bildung, Forschung und Wissenschaftskommunikation. Das bundesweite Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein. Weitere Informationen unter: www.klaus-tschira-stiftung.de