Klaus Tschira

„Einen wie ihn, den kann man nicht vergessen“

Klaus Tschira verstarb unerwartet im Alter von 74 Jahren am 31. März 2015. Familie, Freunde und Weggefährten nahmen am 20. April in einer gemeinsamen Gedenkfeier der Klaus Tschira Stiftung, der Stadt Heidelberg und der Universität Heidelberg in der Stadthalle Heidelberg Abschied. In bewegenden und sehr persönlichen Reden wurde dem Physiker, SAP-Mitgründer und Stifter Klaus Tschira gedacht.

Weggefährte und SAP-Aufsichtsratsvorsitzender Hasso Plattner erzählte von den Anfängen der SAP bis zur Entwicklung des Weltkonzerns. Von der heutigen SAP und ihrer Verbindung mit den Gründern berichtete der SAP-Vorstandsvorsitzende Bill McDermott. Die Baden-Württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer würdigte sein außerordentliches Engagement für die Wissenschaft und das Land. Abschließend sagte KTS-Kuratoriumsmitglied Heinrich C. Mayr, stellvertretend für die Klaus Tschira Stiftung: „Wir werden Klaus Tschira nicht vergessen, einen wie ihn, den kann man nicht vergessen.“

Zu den Rednern auf der Gedenkfeier gehörten auch: Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner, der Rektor der Universität Heidelberg, Bernhard Eitel und der Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen Hans Fleisch.

Begleitet wurde die Gedenkfeier von Carsten Könneker, Chefredakteur von Spektrum der Wissenschaft. Das SAP Sinfonieorchester umrahmte das Gedenken mit Musikstücken mit besonderem Bezug zu Klaus Tschira.

Jubiläum

extra12_cbm22015 ist für die Klaus Tschira Stiftung ein besonderes Jahr: Sie feiert ihr 20-jähriges Jubiläum mit einem besonderen Jubiläumsprogramm und der Jubiläumsaktion Extra12.

Jeden Monat organisiert eine andere KTS-Einrichtung ein besonderes Programm für ihre Mutterstiftung: von Symposien über Ausstellungen bis hin zu einem Jubiläumswettbewerb für Schüler-Teams.

Außerdem hat sich die KTS für das Jubiläumsjahr ein besonderes Geschenk einfallen lassen: Sie unterstützt jeden Monat ein Projekt in der Region, das außerhalb ihres Förderprofils liegt, das also keinen naturwissenschaftlichen, mathematischen oder informationstechnischen Bezug hat. Die Vorschläge für Extra¹² stammen von Mitarbeitern der Klaus Tschira Stiftung und der Heidelberg Laureate Forum Foundation. Alle Informationen zu Programm und Extras sowie Impressionen zum Jubiläum sind auf der neu erstellten Jubiläumswebseite www.20JahreKTS.de zu finden.

Für das Jubiläum wurde auch eigens ein Jubiläums-Logo entworfen. Das Signet ähnelt dem normalen KTS-Logo. Jedoch ist ein Punkt aus dem Quadrat gelöst. Er symbolisiert, dass man sich manchmal auch von Altem lösen muss, um nach Neuem zu streben.

 

Attraktion Supernova

Entwurf der ESO Supernova Grafiken © Bernhardt + Partner

Entwurf der ESO Supernova Grafiken © Bernhardt + Partner

Mit dem Spatenstich für ein astronomisches Ausstellungsgebäude im Februar wurde 2015 die Reihe architektonisch herausragender Gebäude für die Wissenschaft fortgesetzt: Auf dem Hauptsitz der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Garching bei München entsteht mit der ESO Supernova ein Planetarium und Besucherzentrum. Die Klaus Tschira Stiftung ermöglicht den Bau der Einrichtung. Betriebnen wird die Supernova von der ESO. Das Projekt basiert auf einer Idee, die aus einer Kooperation zwischen der ESO und dem Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) hervorgegangen ist.

Das einzigartige Design des neuen Gebäudes  ähnelt einem Doppelsternsystem, in dem Masse von einem Stern zum anderen übertragen wird, was schließlich zu einer Supernova-Explosion führt. Dies spiegelt sich auch im Namen des Besucherzentrums wieder: ESO Supernova. Die Architektur des Gebäudes beruht auf einer Idee von Klaus Tschira und wurde mit Unterstützung des Darmstädter Architekturbüros Bernhardt+Partner entworfen.

Das lebendige Universum © ESO/P. Horálek

Die Besucher erwartet in der ESO Supernova eine interaktive astronomische Ausstellung sowie das größte geneigte 360-Grad-Planetarium in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Planetariumskuppel hat einen Durchmesser von 14 Metern, eine Neigung von 25 Grad und bietet 110 Sitzplätze. Durch die hochmoderne Projektionstechnik haben die Besucherinnen und Besucher im Planetarium den Eindruck, selbst durch das Universum zu reisen. Die Ausstellung mit dem Titel „Das lebendige Universum“ behandelt 13 astronomische Themen und erstreckt sich über 2.200 Quadratmeter.  Eine 255 Meter lange spiralförmige Rampe führt die Besucher durch die Ausstellung. Beeindruckend ist auch in 15 Metern Höhe das leuchtende Sternendach über dem „Welt-Raum“. Dort erscheinen die 22 Sternbilder der südlichen Hemisphäre.

 

Am 26. April 2018 wurde die ESO Supernova feierlich eingeweiht. Seit dem 28. April sind ihre Türe auch für die Öffentlichkeit geöffnet. er Eintritt ist frei, jedoch müssen sich die Besucher vorab online anmelden. Für Kindergärten, Grund- und weiterführende Schulen hat das Team der ESO Supernova ein zusätzliches Programm zusammengestellt, hierzu zählen spezielle Führungen, Planetariumshows und Workshops. Außerdem bietet die ESO Supernova Fortbildungen für Lehrkräfte an.

 

 

 

 

Architektierisch

Die Ausstellung ist für Kinder von 3 bis 12 Jahre © Una Knipsolina / Petra Schulz

Die Ausstellung ist für Kinder von 3 bis 12 Jahre © Una Knipsolina / Petra Schulz

Im Rahmen des Jubiläums der KTS wurde die Ausstellung „Schneckenkratzer und Wolkenhaus – wie Tiere und Menschen bauen“ im Technoseum in Mannheim gezeigt. Bei der Mitmach-Ausstellung erfahren Kindern und Jugendliche zum einen, welche Parallelen es zwischen den Bauten von Menschen und Tieren gibt, und zum anderen lernen sie spannende Aspekte über Architektur und Baukultur. Tiere bauen zum Schutz vor Witterung oder um an Nahrung zu gelangen. Sie bauen Rückzugsmöglichkeiten, Plätze zum Schlafen oder aber um ihre Partner zu beeindrucken. Was hat sich der Mensch bei den Tieren abgeschaut?

Die Architektur-Ausstellung, ist in zwei Bereiche gegliedert, deren Inhalte sich an der jeweiligen Zielgruppe orientieren. Der eine Teil ist für 3- bis 7-jährige Kinder und vermittelt spielend, wie etwa Eisbären oder Bienen bauen. Der andere Teil für Kinder ab 8 Jahren beschäftigt sich u.a. mit der Frage, wie man Raum optimal für die Bedürfnisse der Bewohner nutzen kann. Die Rhein-Neckar-Region ist um mehrere tausend Jung-Architekten reicher: 35.000 kleine und große Besucher haben in der Mitmach-Ausstellung „Schneckenkratzer und Wolkenhaus – Wie Tiere und Menschen bauen“, die vom 6. August bis zum 11. November gezeigt wurde, besucht.

Neben der Förderung der Architektur-Ausstellung veröffentlichte die KTS im Sommer 2015 das Architekturbuch „Schlau bauen – für große und kleine Handwerker“ als drittes Buch der Edition Klaus Tschira Stiftung. Die Leser werden selbst zu Baumeistern: ohne komplizierte Bauanleitungen, dafür mit fotografierten Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Nachbauen für die ganze Familie. In dem Buch erfahren Kinder und Jugendliche, wie Ameisen ihre Hügel klimatisieren, was man mit Holz bauen kann und vieles mehr.

 

Die Berichterstattung stärken

2015 hat die Klaus Tschira Stiftung die Science Media Center Germany gGmbH (SMC) gegründet. Seinen Standort hat das SMC in Köln. Die Wissenschaft-Pressekonferenz e.V., Deutschlands Verband der Wissenschaftsjournalisten, ist neben der KTS ein weiterer Gesellschafter.

Das Science Media Center soll eine vielseitige, kompetente und auch kritische Berichterstattung über Themen mit Wissenschaftsbezug in den Medien fördern, unabhängig von Partikularinteressen. Die gemeinnützige Einrichtung wird von erfahrenen Wissenschaftsjournalisten geleitet.

Das SMC wird sehr schnell Material recherchieren und kostenfrei bereitstellen, mit dem Journalisten – auch solche ohne wissenschaftlichen Hintergrund – ihre eigenen Beiträge produzieren können. Es beliefert Redaktionen von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehsendern sowie Nachrichtenagenturen vor allem dann, wenn neuartige, ambivalente oder umstrittene Erkenntnisse aus der Wissenschaft Schlagzeilen erwarten lassen oder wenn wissenschaftliches Wissen helfen kann, aktuelle Ereignisse im öffentlichen Diskurs einzuordnen.

Die Klaus Tschira Stiftung gewährleistet die Anschubfinanzierung. Weitere Freunde und Förderer aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft sollen gewonnen werden.

Alle unter einem Dach

2015_MATHEMATIKON_035klAm 11. Dezember 2015 hat die Klaus Tschira Stiftung gemeinsam mit der Universität Heidelberg den Südteil des Gebäudekomplexes „Mathematikon“ eröffnet. Dieser Gebäudeteil war ein Geschenk der Stiftung an die Universität Heidelberg. Die Fakultät für Mathematik und Informatik sowie das Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) sind nun im Mathematikon. Davor waren die Studierende und Wissenschaftler an sieben Standorten über ganz Heidelberg verteilt.

Forschungszentrum für Multiple Sklerose

Allein in Deutschland sind rund 200 000 Menschen an der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose erkrankt. Intensive Forschung und neue Behandlungsansätze sind notwendig. Am TUM Klinikum rechts der Isar in München ermöglicht die KTS daher den Bau eines neuen MS-Behandlungs- und Forschungszentrums.

Vertragsunterzeichnung zwischen TU Muenchen und Klaus Tschira Stiftung, am 23.09.2015, im Senatssaal der Technischen Universitaet Muenchen (TUM); Klaus Tschira Stiftung ermöglicht TUM-Forschungszentrum für Multiple Sklerose; Peronen v.l.n.r.: Harald Tschira, Geschäftsführender Gesellschafter der Klaus Tschira Stiftung; Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung; Prof. Wolfgang A. Herrmann, Praesident der TUM; Foto: © Astrid Eckert / TU Muenchen; Verwendung frei fuer die Berichterstattung ueber die TU Muenchen unter Nennung des Copyrights

v.l.n.r.: Harald Tschira, Geschäftsführender Gesellschafter der KTS; Beate Spiegel, Geschäftsführerin der KTS; Prof. Wolfgang A. Herrmann, Praesident der TUM; Foto: © Astrid Eckert / TU Muenchen

Das MS-Forschungszentrum wird eine in Deutschland einzigartige Struktur haben. Wissenschaftler und Ärzte arbeiten von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Versorgung unter einem Dach eng zusammen. Ihr Ziel ist es, neue Erkenntnisse rasch in die Praxis umzusetzen.

Neben der Erforschung des Immunsystems werden sich die Wissenschaftler im MS-Forschungszentrum mit den Mechanismen auseinandersetzen, die zur Schädigung der Schutzhüllen und der Nervenzellen selbst führen. Basierend auf den Erkenntnissen sollen neue Therapieansätze entwickelt werden, die insbesondere auch auf die progrediente Phase der Erkrankung abzielen.