9. September 2019

Childhood-Haus Heidelberg ist eingeweiht

Ermöglicht wurde die Einrichtung am Universitätsklinikum durch die Klaus Tschira Stiftung
Heidelberg. In Anwesenheit von Königin Silvia von Schweden wurde das Childhood-Haus Heidelberg auf dem Gelände des Universitätsklinikums Heidelberg am Donnerstag, 5. September, 2019 feierlich eingeweiht. Das Childhood-Haus ist eine interdisziplinär arbeitende Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die sexuellen Missbrauch oder Gewalt erlebt haben. Die neue Einrichtung ist eine Kooperation des Universitätsklinikums Heidelberg und der World Childhood Foundation, finanziell ermöglicht durch die bedeutende Förderung der Klaus Tschira Stiftung.
Mangelnde kindgerechte Umgebung, wenig geschultes Personal vor Ort, lange Wartezeiten, ein Marathon aus Befragungen und schließlich eine Aussage vor Gericht: Kinder, die sexuellen Missbrauch oder schwere Gewalt erlebt haben, müssen in dem darauffolgenden Verfahren oft einen langen zweiten Leidensweg über sich ergehen lassen. Das muss aber nicht so sein. In einem sogenannten Childhood-Haus können betroffene Kinder durch geschultes Personal aus Medizin, Polizei und Justiz untersucht und befragt werden. In freundlich eingerichteten Räumen werden alle wichtigen Schritte an einem Ort vorgenommen, um so das Kind vor dem Risiko einer Retraumatisierung zu schützen. Ein multidisziplinäres Team, darunter auch Fachkräfte aus Psychologie und Jugendhilfe, wird im Childhood-Haus Heidelberg zusammenarbeiten. Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, der am Donnerstag vor Ort war, sagte: „Die heutige Eröffnung des zweiten Childhood-Hauses in Deutschland ist ein wichtiger Meilenstein für kindgerechte Verfahren bei sexueller Gewalt.“

Ermöglicht wurde das Projekt durch die bedeutende finanzielle Förderung der Klaus Tschira Stiftung. Die Klaus Tschira Stiftung war überzeugt von dem Konzept, das sie bereits im Childhood-Haus in Leipzig durch ihre finanzielle Förderung ermöglicht hat, und das dort erfolgreich läuft. „Wir waren gern bereit, hier Verantwortung für die Schwächsten unserer Gesellschaft zu übernehmen,“ sagt Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung. „Wir würden uns wünschen, dass es noch viele weitere Unterstützer für weitere Childhood-Häuser in Deutschland gibt.“

„Es ist mir eine große Freude, heute bei Ihnen in Heidelberg zu sein und das erste Childhood-Haus in Baden-Württemberg einweihen zu dürfen! Wenn ich bedenke, in welch kurzer Zeit hier aus einer Idee ein konkretes Projekt wurde. Hier wurde in den vergangenen 15 Monaten wirklich Unglaubliches geleistet! Herzlichen Glückwunsch!“ Mit diesen Worten weihte Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden die Räumlichkeiten des Childhood-Hauses ein. Als Gründerin der World Childhood Foundation ist ihr das Thema „Sexuelle Gewalt an Kindern“ ein besonderes Anliegen. „Sie alle können stolz auf das Erreichte sein und auf den Mut und die hohe Professionalität, die alle Beteiligten vor Ort gezeigt haben. Durch die neuen Formen der Zusammenarbeit trägt das Haus dazu bei, das Leben der von Missbrauch betroffenen Kinder zu verbessern!“

„Im Childhood-Haus Heidelberg kommen die Experten zu den Kindern und ihren Familien. Dies erspart den Betroffenen zusätzliche Wege“, sagt Prof. Dr. Georg F. Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg. „Die Angebote der Kooperations- und Netzwerkpartner im Kinderschutz in Heidelberg und Umgebung werden hier unter einem Dach koordiniert. Dies ist ein Modellprojekt für Baden-Württemberg.“