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Mit Kindern die Welt entdecken

Naturwissenschaftliche Frühförderung im Kindergarten

Prof. Dr. Manuela Welzel, Pädagogische Hochschule Heidelberg

Ausgangslage

Es ist kein Geheimnis, dass Kinder im Vorschulalter wissbegierig sind, Freude am entdeckenden Lernen haben und versuchen, aktiv ihre Umwelt zu erkunden. Inwieweit sie dabei aktuell profitieren und wie viel sie für ihre Zukunft mitnehmen hängt davon ab, welche Anregungen eine „Lernumgebung“ enthält, wie lange und differenziert die Kinder ihre Umwelt erkunden können und welche „Rückmeldungen“ sie aus ihrem Umfeld bekommen. Nicht jeder und jede Erwachsene ist ein Naturtalent oder so gut vorgebildet, sofort angemessen zu reagieren, alle neugierigen Fragen kompetent und altersgerecht zu beantworten oder gar weitere Neugier zu wecken und die Wissbegierde zu fördern. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Viele Erwachsene haben in der Schule derart schlechte Erfahrungen mit den Naturwissenschaften gemacht, dass sie sich scheuen, solchen Fragen selbst auf den Grund zu gehen oder beschwichtigend auf die nahende Schulzeit verweisen. Dies ist sehr bedauerlich, wollen und brauchen die Kinder auf ihre Fragen doch gleich auch angemessene Antworten und neue Handlungsmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass die Erwachsenen oft gar nicht wissen, welches Potenzial in Kinderfragen steckt und wie sie dieses Potenzial nutzen können. Da die Kindergärten eine zunehmend verantwortungsvollere Rolle bei der Betreuung von Vorschulkindern spielen, sind zumindest die Kompetenzen der Pädagoginnen in den Kindertagesstätten bzw. Kindergärten in den verschiedensten vorschulischen Bildungsbereichen gefragt.

Nachdem die internationalen Vergleichsstudien Aufholbedarf für Deutschland festgestellt haben, ist die frühkindliche Bildung in den Fokus des öffentlichen Interesses geraten. So beobachtet man derzeit in Deutschland verschiedenste Initiativen, frühkindliche Bildungsprozesse in den Kindergärten systematisch zu unterstützen. Außerschulische Lernorte und -angebote schießen wie Pilze aus dem Boden. Noch sind die Initiativen recht punktuell ausgelegt, sie zeigen aber, dass es Zeit ist, systematisch mehr für die Bildung auch außerhalb des Schulunterrichts und insbesondere davor zu tun. Baden-Württemberg wird (jedoch nicht als erstes deutsches Bundesland) spätestens 2009 einen Bildungsplan für Kindergärten einführen. Dieser Bildungsplan ist gerade eben fertiggestellt worden und wird eine qualifiziertere Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen für Kindergärten erfordern.

Woran es fehlt, sind hierfür angemessene Ausbildungs- und Fortbildungskonzepte, die anspruchsvollen Bildungsziele zu erreichen. Frühkindliche Bildungsmaßnahmen müssen die Bedingungen, Voraussetzungen und Lebensumstände der Kinder dieser Altersstufen nutzen, sie müssen den Kindern Spaß machen, ihre Neugier und Freude am spielerischen Lernen aufgreifen. Sie sollen keine Schule vorwegnehmen, sondern auf die Anforderungen der Schule angemessen vorbereiten. Sie sollten aber auch den Möglichkeiten und Interessen der Erzieherinnen gerecht werden. Das bedeutet, dass ausgehend von den Erfahrungen der Erzieherinnen im alltäglichen Umgang mit den ihnen anvertrauten Kindern pädagogisches und fachdidaktisches Know-How im Hinblick auf eine naturwissenschaftliche Frühförderung aufgebaut werden muss.

Vor diesem Hintergrund soll in diesem Projekt im Hinblick auf den neuen Bildungsplan für die Kindergärten wissenschaftlich begleitet eine systematische naturwissenschaftliche Frühförderung modellhaft in Heidelberger Kindergärten gemeinsam mit Erzieherinnen entwickelt, eingerichtet und erprobt werden. Dabei sollen die Erzieherinnen selbst aktiv werden und zunehmend befähigt werden, naturwissenschaftliche Frühförderung im Kindergarten zu praktizieren. Wir wollen über diesen Zugang auch bei den Erzieherinnen Neugier, Interesse und Freude im spielerischen Umgang mit Naturphänomenen wecken.

Das Konzept

Das Konzept besteht aus drei Säulen:

    1. einer kontinuierlichen Fortbildung für Erzieherinnen zum Thema der praktischen Möglichkeiten für eine naturwissenschaftlichen Frühförderung (Experimente, Spiele, Materialien,...);
    2. der Entwicklung von Umsetzungskonzepten für einzelne Kindergärten und ihre Umsetzung;
    3. der wissenschaftlichen Begleitung der Prozesse

Ziel unserer Bemühungen ist die Einrichtung einer kindgemäßen naturwissenschaftlichen Frühförderung zur Vorbereitung der Kinder auf ein aktives und optimistisches Leben und für das Lernen in der Schule, das in den Alltag eines Kindergartens passt. Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen, interdisziplinären und handlungsorientierten Ansatz, der eng auf die Anforderungen des für die Kindergärten einzuführenden Bildungsplanes abgestimmt ist. Nicht die Erwachsenen, also die Erzieherinnen, sollen ständig naturwissenschaftliche Phänomene lehren und erklären, sondern für die Kinder sollen Kontexte bereit gestellt werden, in denen sie spielerisch und alltagsnah naturwissenschaftliche Phänomene entdecken und erkunden können. Dabei sollen sie erleben, dass es Spaß macht, die Welt zu entdecken und Fragen zu stellen. Solche Kontexte müssen von den Erzieherinnen bereitgestellt werden und können sehr unterschiedlich gestaltet sein.

Wichtig dabei ist, dass die Erzieherinnen selbst im Rahmen der Zusammenarbeit (fachlich und fachdidaktisch angeleitet) Umsetzungsmöglichkeiten entwickeln, erproben und evaluieren. Vermutlich müssen sie dafür Berührungsängste im Hinblick auf Naturwissenschaften abbauen und methodische und didaktische Möglichkeiten kennen lernen. Ziel ist es, sie für die Erkundung naturwissenschaftlicher Phänomene und Themen zu begeistern und ihnen dafür Werkzeuge in die Hand zu geben.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, zunächst solche fachdidaktischen Angebote für die betreffenden Erzieherinnen (und Grundschullehrerinnen) zu ermöglichen, damit diese selbst Freude am entdeckenden Lernen im naturwissenschaftlichen Bereich erleben und entfalten können. Ein Repertoire an Möglichkeiten soll sich eröffnen und auf ihre Tauglichkeit hin überprüft werden. Darauf aufbauend ist eine Konzeptentwicklung für den einzelnen Kindergarten durch die Erzieherinnen notwendig. Begleitet vom wissenschaftlichen Team der Pädagogischen Hochschule sollen diese Konzepte dann schrittweise umgesetzt und erprobt werden. Die dabei gemachten Erfahrungen gehen in die Weiterentwicklung der Umsetzungsideen ein.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung soll untersucht werden, inwieweit dieses Fortbildungskonzept greift und die Erzieherinnen an Handlungskompetenz und Motivation gewinnen. Außerdem soll untersucht werden, inwieweit die Kinder von den entwickelten Maßnahmen profitieren. Eine Zusammenarbeit mit der vom Land Baden-Württemberg eingesetzten Kommission zur Evaluierung der modellhaften Umsetzung der Bildungspläne in Kindergärten im Freiburger und im Ludwigsburger Raum ist geplant.

 
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