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INFORMATIK UND ARBEITSWELT
MIT INFORMATIK DIE ARBEITSWELT GESTALTEN


Workshop des Alfred-Weber-Instituts der Universität Heidelberg und der Klaus Tschira Stiftung in der Villa Bosch:

"Innovative Lösungen der Steuer - und Rentenprobleme"

4. Februar 2000

Spitzenunternehmer, Politiker, Vertreter von Wirtschaftsverbänden und der Heidelberger Kreis, ein Zusammenschluss reformorientierter Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler, waren in der Villa Bosch zusammengetroffen, um über marktorientierte Lösungen der Steuer- und Rentenprobleme zu diskutieren.

Zwar gingen die Meinungen über konkrete Reformvorschläge einzelner Mitglieder des Heidelberger Kreises in wenigen Details auseinander. Einig waren sich alle Workshop-Teilnehmer allerdings in der Überzeugung, dass Deutschland nach wie vor eine Steuerreform braucht, die die heutige steuerliche Überlastung von Sparern und Investoren beseitigt.

Die theoretisch eleganteste Methode, dies zu bewerkstelligen, präsentierte gleich zu Beginn des Workshops der Steuerberater Benediktus Hardorp. Er stellte plausiebel dar, dass es ökonomisch ideal wäre, alle Steuern bis auf die Mehrwertsteuer abzuschaffen. Wenn dies auch politisch kaum zu realisieren sei, so solle man doch wenigstens die positive ökonomische Wirkung der Mehrwertsteuer als wegweisenden "Polarstern" beim Entwurf sinnvoller Steuerreformen stets im Auge behalten.

Diesen Rat haben der Heidelberger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Manfred Rose und der Steuerjurist Prof. Dr. Joachim Lang beherzigt: Beide stellten im Anschluss an Hardorps Ausführungen konkret verwirklichbare Reformkonzepte vor, die ebenso wie das Hardorpsche Mehrwertsteuersystem eine steuerliche Mehrfachbelastung von sparenden Geldanlegern und investierenden Unternehmen ausschließen.

Im freundschaftlichen Streit um die Frage, wie solche Reformen denn konkret angestoßen werden könnten, unterstützen Klaus Tschira, Mitgründer des Weltmarktführers für betriebliche Software, SAP, und Manfred Lautenschläger, Mitgründer des Finanzberatungsunternehmens, MLP, die Position von Rose. Dieser hatte die Auffassung vertreten, wer wirkliche Reformen durchsetzen wolle, müsse komplette Gesetzesvorschläge auf den Tisch legen und dann die breite Öffentlichkeit für diese mobilisieren.

Rechtswissenschaftler Lang hielt dagegen: Er meinte, große Reformprojekte ließen sich nur in kleinen Schritten sowie lediglich in direkter Zusammenarbeit mit Politikern und Ministerien erreichen. So wäre er bereits zufrieden, wenn in nächster Zeit wenigstens die juristischen Grundvoraussetzungen für nachfolgende Reformen geschaffen werden könnten. Für eine befriedigende Gesamtreform des Steuersystems gab Lang einen Zeitbedarf von gut 15 Jahren an. Er baue allerdings darauf, dass das Bundesverfassungsgericht und der von der Globalisierung ausgehende Reformdruck den politischen Reform-Prozess beschleunigen weden.

Dass Reformen in der Tat sehr viel schneller vonstatten gehen können, belegte der Vortrag von Zeljko Faber, der als damaliger Staatssekretär im kroatischen Finanzministerium mit erlebte, wie Manfred Rose sein marktorientiertes Steuersystem in Kroatien einführte. Faber machte deutlich, dass selbst im kriegsgeschwächten Kroatien eine Totalumstellung des Steuersystems von einem Tag auf den anderen durchaus möglich gewesen ist.

Der Potsdamer Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Georg Petersen präsentierte in seinem engagierten Vortrag zur Reform des Altersvorsorge-Systems die überraschende Erkenntnis, dass rein statistisch keineswegs von einer weitverbreiteten Altersarmut in Deutschland gesprochen werden könne. Deshalb sei es richtig, auch den Rentnern Anpassungslasten bei der Umstellung des Altersvorsorge-Systems abzuverlangen. Petersen forderte ein langsames Zurückfahren des staatlichen Rentensystems bei gleichzeitigem, schnellstmöglichem Ausbau der privaten, kapitalgedeckten Altersvorsorge. Zwar wurden auch seine Reformvorschläge lebhaft diskutiert, in der Grundrichtung stimmten die Workshopteilnehmer Petersen jedoch zu.

 
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